Worte verliert man nicht

Charlotte betrat das Büro. Sie hielt sich ganz gerade. Es war sehr wichtig, dass sie diesen Auftritt nicht verdarb. Das neue Kleid saß an manchen Stellen nicht perfekt und der große Hut fühlte sich nach den eher schlichten Kopfbedeckungen, die sie sonst trug, ebenfalls seltsam an. Aber er gehörte einfach zu ihrem Auftritt dazu. Charlotte wollte wohlhabend und sauber aussehen. Sie hatte in der kurzen Zeit nichts gegen ihre rauen Hände und die trockene Haut ihres Gesichtes tun können, aber das war auch nicht wichtig. Wichtig war nur, dass sie heute hier war, an diesem sonnigen, aber kalten Aprilmorgen, mit einer Tasche voll Geld.

Der Notar Harper Greyson saß wie ein fettes Schwein in seinem Stuhl und hatte trotz der frühen Stunde schon eine Zigarre zwischen den Zähnen. Er lehnte sich jetzt zurück und musterte sie. Einen Moment flackerte Unsicherheit über seine fleischigen Züge, dann nahm er den Stumpen aus dem Mund und zeigte auf den Stuhl vor seinem riesigen Schreibtisch.

Anja Bagus – Worte verliert man nicht

Eine Kurzgeschichte aus der Anthologie „Reiten Wir! – Phantastikautoren für Karl May“

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